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Royalties – vielleicht das beste Geschäftsmodell auf diesem Planeten.

  • 19. Dez. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Es gibt Geschäftsmodelle, die von Wachstum, Innovation und permanenter operativer Exzellenz leben. Und es gibt Modelle, die vor allem eines benötigen: Zeit. Das Royalty- und Streaming-Modell gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Ich selbst bin Aktionär von Elemental Royalty Corp. und habe mich über die Jahre immer stärker von der strukturellen Eleganz dieses Ansatzes überzeugt. Mit der Beteiligung von Tether, dem größten Stablecoin-Anbieter der Welt, hat dieses Geschäftsmodell zusätzlich an Aufmerksamkeit gewonnen – nicht als Hype, sondern als Ausdruck langfristigen Denkens.


Royalty- und Streaming-Unternehmen finanzieren und teilweise sogar initiieren Rohstoffprojekte und erhalten im Gegenzug einen vertraglich fixierten Anteil der verkauften Erze, eine Art Lizenzgebühr auf den Verkaufspreis des Erzes. Wichtig ist dabei: Sie entwickeln bzw. betreiben diese Projekte nicht selbst. Das operative Risiko liegt vollständig beim Partnerunternehmen - einem Explorationsunternehmen oder auch dem Minenbetreiber.

Genau diese Trennung ist der Kern der Robustheit. Während Betreiber mit Kosteninflation, Genehmigungen, ESG-Anforderungen und operativen Risiken kämpfen, partizipieren Royalty-Unternehmen ausschließlich an der Wertschöpfung – ohne laufende operative Verpflichtungen. Allerdings nur dann, wenn das Projekt / die Mine in den Betrieb übergeht und Erze abgebaut und verkauft werden.

Bei Modellen wie jenem von EMX Royalty - "the royalty generator", aus dem Elemental Royalty hervorgegangen ist, zeigt sich, dass Royalties nicht nur gekauft, sondern bereits in sehr frühen Phasen durch geologische Expertise und Projektidentifikation entstehen können. Oft lange bevor klar ist, ob und wann ein Projekt tatsächlich in Produktion geht.


Eingebaute Zusatzchancen – die waren Werttreiber einer Royalty!

Was daraus folgt, wird häufig unterschätzt: Sobald eine Royalty einmal etabliert ist, hängt ihr zukünftiger Wert nur noch in begrenztem Maße vom Royalty-Unternehmen selbst ab. Die entscheidenden Entwicklungen finden außerhalb statt – beim Betreiber, in der Geologie und letztlich im Rohstoffmarkt. Genau dort entstehen die Faktoren, die über den langfristigen Wert einer Royalty entscheiden, ohne dass der Royalty-Halter diese aktiv steuern oder finanzieren muss.

Der Wert vieler Royalties entsteht damit nicht durch aktives Handeln des Royalty-Unternehmens, sondern durch Entwicklungen, die für Betreiber ohnehin notwendig sind. Minenbetreiber und Explorer haben ein eigenes wirtschaftliches Interesse daran, Lagerstätten weiter zu erkunden, Ressourcen zu erweitern und Projekte wirtschaftlich robuster zu machen. Dafür investieren sie in Bohrprogramme, Studien und Infrastruktur – und tragen sämtliche Kosten und Risiken selbst.

Für den Royalty-Halter laufen diese Entwicklungen automatisch mit. Werden zusätzliche Erze entdeckt oder Ressourcen ausgeweitet, steigt der wirtschaftliche Wert der Royalty, ohne dass weiteres Kapital eingesetzt werden muss. Bleiben Erfolge aus, entstehen zumindest keine laufenden Kosten.

Ein zweiter zentraler Treiber ist die langfristige Entwicklung der Rohstoffpreise. Über Jahrzehnte hinweg haben viele Metalle und Edelmetalle reale Preissteigerungen erfahren, getrieben durch Inflation, Nachfragewachstum und strukturelle Knappheit. Steigende Preise wirken direkt auf die Einnahmen von Royalties, während deren Kostenbasis unverändert bleibt.


Gerade diese Kombination macht das Royalty-Modell so besonders: Die wichtigsten Werttreiber entstehen außerhalb des Unternehmens – getragen von den Entscheidungen der Betreiber, der Geologie und den langfristigen Bewegungen der Rohstoffmärkte. Der Royalty-Halter muss sie weder initiieren noch finanzieren, sondern partizipiert schlicht an ihrem Ergebnis.


"Compounding" als stiller Treiber

Der aus Investorensicht vielleicht wichtigste Effekt des Royalty-Modells zeigt sich damit erst über lange Zeiträume. Royalty-Unternehmen generieren laufende Cashflows aus Ihren Royalties und können diese regelmäßig in neue Royalties reinvestieren, ohne dass ihre Kostenbasis proportional wächst. Mit der Zeit entsteht so ein wachsendes Portfolio an Zahlungsansprüchen, das sich immer stärker selbst trägt sowie ein Unternehmen mit deutlich anziehenden Gewinnmargen.

Die Vorzeigeunternehmen der Branche wie Franco-Nevada, Royal Gold, Wheaton Precious Metals, Triple Flag oder Osisko Royalties sind keine kurzfristigen Wetten auf den Rohstoffpreis, sondern langfristige Cashflow-Strukturen, deren Qualität sich über Jahrzehnte beweist.


Abbildung: Renditen der großen Royalty-Unternehmen und Gold über knapp 2 Jahrzehnte. (Quelle: Ariva / ariva.de)
Abbildung: Renditen der großen Royalty-Unternehmen und Gold über knapp 2 Jahrzehnte. (Quelle: Ariva / ariva.de)

Die langfristige Renditen verdeutlichen diesen Effekt. Über Zeiträume von rund 20 Jahren erzielten Unternehmen wie Royal Gold, Franco Nevada oder Wheaton Precious Metals zweistellige jährliche Renditen. Eine Investition von 1.000 Euro um 2008 in Franco Nevada bspw. wäre Stand heute etwa 20.000 Euro Wert, das entspricht einer jährlichen Rendite von rund 19%/a. Diese Unternehmen realisieren mittlerweile Netto-Gewinn-Margen von über 50%!

Und obwohl ihre Erlöse mehr oder weniger - aufgrund des hohen Goldanteils im Portfolio - direkt an den Goldpreis gekoppelt sind, haben Royalty-Unternehmen den Rohstoff selbst langfristig deutlich outperformt. Der Grund liegt in der Struktur des Modells: Während Gold als Asset keinen Cashflow erzeugt, generieren Royalties laufende Einnahmen, die reinvestiert werden können und so über die Zeit einen selbstverstärkenden Effekt entfalten.


Genau darin liegt die Stärke dieses Ansatzes: nicht im kurzfristigen Preishebel, sondern in der Fähigkeit, aus einem Rohstoffexposure einen dauerhaften Wertaufbau zu machen.


Tether als Investor: Von Stablecoins zu US-Treasuries, Gold und Royalties

Vor diesem Hintergrund wird auch die >30%-Beteiligung von Tether an Elemental Royalty nachvollziehbar. Tether selbst ist Herausgeber des bedeutendsten Stablecoins der Welt - USDT -, der den Wert des Dollar abbildet und für den Handel bzw. Zahlung in Kryptowährung genutzt wird. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Tether häufig ausschließlich im Kontext von Kryptowährungen betrachtet wird . Dabei ist das Unternehmen heute einer der größten Halter kurzfristiger US-Staatsanleihen weltweit. Darüber hinaus hat sich Tether in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Käufer von physischem Gold entwickelt. Nach den mir vorliegenden Zahlen soll der Goldbestand inzwischen sogar größer sein als der Bitcoinbestand. Unabhängig von der exakten Gewichtung zeigt sich klar, dass Tether strategisch stark auf reale, liquide und inflationsresistente Vermögenswerte setzt.

Royalties fügen sich nahtlos in dieses Bild ein. Sie sind kein operatives Geschäft, sondern ein rein finanztechnisches Modell. Royalty-Unternehmen erschaffen keine Produkte und fördern keine Rohstoffe. Sie strukturieren Kapital, Zeit und Risiko so, dass reale Wertschöpfung über sehr lange Zeiträume entstehen kann. Während Betreiber bauen, genehmigen, bohren und produzieren, positionieren sich Royalties als stille Mitverdiener im Hintergrund.


Fazit:

Stellt euch vor, ihr würdet jedes Jahr ein Buch schreiben. Sobald der Entwurf beim Verlag liegt, seid ihr raus. Der Verlag übernimmt Druck, Vertrieb und Marketing, ihr erhaltet dafür einen kleinen Anteil am Verkaufserlös, sagen wir ein Prozent. Im ersten Jahr ist das kaum der Rede wert. Da sich der Verlag um alles kümmert, habt ihr die Zeit im kommenden Jahr das nächste Buch zu schreiben – und im Jahr darauf wieder eines.

Nach zehn Jahren stehen zehn Bücher im Handel und jedes davon wirft laufend Lizenzgebühren ab. Es ist der Zeitpunkt gekommen, an dem diese Einnahmen eure laufenden Ausgaben (Wohnen, Essen, Spaß) übersteigen – nicht wegen eines einzelnen Bestsellers, sondern wegen der Summe vieler kleiner, dauerhaft arbeitender Ertragsquellen - euren Büchern. Eine Privatperson würde an diesem Punkt vermutlich beginnen, das Leben zu genießen und all das zu tun, wofür vorher keine Zeit war. Ein Unternehmen hingegen denkt anders. Es schreibt weiter Bücher. Nicht aus Notwendigkeit, sondern aus unternehmerischem Antrieb. Jeder zusätzliche Titel erhöht die laufenden Cashflows, verbreitert die Ertragsbasis und verstärkt den Effekt über die Zeit. Genau so funktionieren Royalty-Unternehmen.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Royalties kein aufregendes Investment sind. Sie liefern keine Schlagzeilen und keine schnellen Erfolgsgeschichten. Ihre Stärke liegt woanders. Sie erlauben es, sich Schritt für Schritt Ansprüche auf reale Wertschöpfung aufzubauen, die über lange Zeiträume hinweg arbeiten. Nicht durch einen großen Wurf, sondern durch viele kleine Beteiligungen, die sich mit der Zeit addieren.


Vielleicht sind Royalties gerade deshalb eines der besten Geschäftsmodelle auf diesem Planeten - weil sie nicht auf Aufmerksamkeit angewiesen sind, sondern auf Zeit.


Hinweis: Keine Anlageberatung, sondern meine persönliche Meinung als Investor.

 
 
 

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Royalty.Investor
19. Dez. 2025
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Für mich auch ein Compounding-Geschäftsmodell wie kein zweites!! Schön geschrieben. Danke.

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