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Zocken an der Börse? Aber mit System statt Bauchgefühl

  • 12. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

„Du bist an der Börse?


Und - schon Millionär?“


Ich glaube, fast jeder, der sich ernsthaft mit Aktien beschäftigt, kennt diese Frage aus seinem Umfeld. Und sie zeigt ziemlich gut, welches Bild viele Menschen noch immer von der Börse haben: schnelles Geld und große Gewinne oder aber hohes Risiko bis hin zum Totalverlust.


Die Realität sieht bekanntlich anders aus.

Wer Börse langfristig richtig betreibt, weiß: Vermögensaufbau ist kein Sprint, sondern ein Prozess - Geduld, gute Unternehmen, Zeit und vor allem Disziplin. Genau darauf basiert auch meine klassische Universum-Nebenwerte-Strategie: bestehende Burggräben, starke Finanzkennzahlen, saubere Bilanzen und Geschäftsmodelle, die über Jahre hinweg verlässlich Wert schaffen.

Und trotzdem ertappe ich mich immer wieder bei einem Gedanken:

Was wäre, wenn ich einmal richtig liege und wirklich mal schnelles Geld in kürzester Zeit verdiene?


Meine Nebenwerte sind kein Sicherheitsprogramm

Wenn ich in Nebenwerte investiere, dann nicht, um ein paar Prozentpunkte mitzunehmen. Mein Anspruch ist deutlich höher.

Ich suche Unternehmen, bei denen ich langfristig eine Verhundertfachung über 20 Jahre für möglich halte. Rückwärts gerechnet bedeutet das nichts anderes als eine Verzehnfachung in zehn Jahren.

Das ist ambitioniert. Das ist anspruchsvoll. Das ist alles andere als langweilig.

Und auch in diesem Universum kommt es immer wieder zu starken Kursbewegungen. Zu Phasen, in denen sich Kurse verdoppeln, verdreifachen oder noch stärker steigen – oft ausgelöst durch operative Fortschritte, neue Märkte oder strategische Entscheidungen, die ich vorher so nicht konkret planen konnte. Aber lässt sich letzteres nicht anders nutzen bspw. wenn der Plan bereits bekannt ist und die Märkte (wenn überhaupt bekannt) nur noch nicht wissen, ob er erfüllt wird oder nicht?


Was mir manchmal fehlt: Zeitverdichtung und binäre Spannung

So sehr ich diese langfristige Reise liebe – manchmal wünsche ich mir mehr Verdichtung. Mehr Geschwindigkeit. Mehr Drama. Nicht eine Verzehnfachung in zehn Jahren, sondern vielleicht in zwei oder drei. Nicht kontinuierliches Wachstum von 20–30 % pro Jahr, sondern Umsätze, die sich von Quartal zu Quartal verdoppeln. Phasen, in denen man morgens ins Depot schaut und spürt: Hier passiert gerade etwas.


Ich meine damit ganz bewusst keine Hebelprodukte, kein Daytrading, keine Kryptos. Ich spreche von echten Unternehmen – aber solche, bei denen der Investmentcase von Anfang an binär ist: Entweder der große Durchbruch – oder das Scheitern. Insolvenz oder 5–10x in wenigen Monaten/Jahren.


Und ja: Ich möchte dann auch diese Monate erleben, in denen sich eine Position massiv erhöht. Wo man täglich ins Depot schaut – nicht aus Angst, sondern aus purer Vorfreude. Weil Umsätze explodieren, Meilensteine fallen und man merkt: Der Markt fängt an zu verstehen, was hier gerade passiert.


Ein klarer Disclaimer – weil es gesagt werden muss

Diese Art von Investieren ist hochriskant und nichts für rationale Sparer und nichts für den planbaren Vermögensaufbau.

Hier geht es nicht um Sicherheit. Hier geht es um Spannung und Nervenkitzel – mit dem Versuch, das Risiko bewusst zu erkennen und einzukalkulieren. Noch deutlich stärker als bei meinen Nebenwerten.

Entsprechend klein sollten die "Einsätze" ausgewählt werden.


Warum ich meine Strategie hier anpassen muss

Und genau weil diese Art des Investierens so anders ist als meine klassische Nebenwerte-Strategie, muss ich meine Kriterien anpassen – ohne mein Ziel aus den Augen zu verlieren.

Denn auch hier suche ich keine Zufallstreffer. Ich suche das beste Chance-Risiko-Verhältnis, nicht den maximalen Kick um jeden Preis.


Wie immer sortiere ich den absoluten Großteil aller Unternehmen aus. Nicht, weil sie kein Potenzial hätten. Sondern weil mir ihre Eintrittswahrscheinlichkeit nicht hoch genug erscheint. Denn Börse ist keine Glaskugel. Am Ende ist sie eine Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Ein Unternehmen kann eine 10 %-ige Chance auf einen schnellen Tenbagger haben und es schaffen und gleichzeitig ein 50 %-ige Wahrscheinlichkeit und trotzdem scheitern. Mich interessiert genau der Kandidat, bei dem diese Verteilung aus meiner Sicht am attraktivsten ist. Darüber hinaus bin ich mir fast sicher, dass diese erdachte Wahrscheinlichkeit bei vielen von uns unterschiedlich ausfallen wird. Wichtig ist nur, dass wir uns mit dem Unternehmen beschäftigen, überzeugt von der Investition sind und ruhig schlafen.


Die fünf Fragen, die ich mir stelle

Aber wie überschlage ich persönlich meine Erfolgs-Wahrscheinlichkeit?

Im unten verlinkten Video gehe ich genau auf meinen Denkprozess ein. Ich erkläre, wie ich versuche, Struktur in diesen hochriskanten Bereich zu bringen – ohne mir etwas vorzumachen.

Im Kern frage ich mich:

  • Gibt es einen klaren, schwer kopierbaren Katalysator?

  • Steht hinter dem Unternehmen ein Management, bei dem man denkt: Wenn nicht sie – wer dann?

  • Kann das Geschäftsmodell langfristig hohe Margen, Cashflows und eine starke Bilanz ermöglichen?

  • Gibt es echte Marktvalidierung durch Kunden, Partner oder Lieferketten?

  • Und ganz entscheidend: Ist das Timing so, dass das Wachstum noch nicht eingepreist ist?


Diese Fragen garantieren keinen Erfolg. Aber sie helfen mir, vermutlich schlechte Wetten früh auszusortieren.


Warum ich dazu ein Video gemacht habe

Mir war schnell klar, dass sich dieser Ansatz nicht in ein paar Sätzen erklären lässt. Zu viele Abwägungen, zu viel Kontext, zu viele Grautöne.

Gerade bei solchen hochriskanten Wetten halte ich es für gefährlich, Entscheidungen aus dem Bauch heraus zu treffen. Genau deshalb habe ich das Thema in einem Video ausführlich aufgearbeitet. Mir geht es dabei ausdrücklich nicht darum, zum Kaufen von StartUps zu animieren oder dieses Risiko "schmackhaft" zu machen. Im Gegenteil: Ich möchte dazu anregen, sich intensiv mit Unternehmen zu beschäftigen, bevor man überhaupt über ein Investment nachdenkt. Gerade in diesem spekulativen Bereich sehe ich immer wieder, dass Menschen investieren, weil es irgendwo in Medien, Foren oder sozialen Netzwerken laut wird. Weil andere euphorisch sind. Weil ein Narrativ gut klingt. Das halte ich für den falschen Weg.


Mein Ziel mit dem Video ist es deshalb, einen strukturierten Denkrahmen zu zeigen: Welche Fragen stelle ich mir? Wo liegen die Risiken? Und warum ist es völlig in Ordnung, am Ende nicht zu investieren und sich keiner ärgern muss, wenn man falsch lag.


Deshalb habe ich das Thema ausführlich in einem Video aufgearbeitet:


Wenn ihr noch weitere Merkmale habt, teilt Sie gern.


Persönliches Fazit

Meine Nebenwerte sind ambitioniert. Aber manchmal möchte ich mehr Geschwindigkeit. Mehr Verdichtung. Mehr emotionale Intensität. Nicht, weil ich ungeduldig bin –sondern weil Börse für mich auch Erlebnis ist. Solange man weiß, welchen Teil seines Kapitals man warum einsetzt, dürfen auch extreme Szenarien ihren Platz haben.


Mich interessiert, wie ihr das seht: Reicht euch langfristiges Wachstum – oder reizt euch manchmal ebenfalls die Idee einer schnellen, alles entscheidenden Phase?

 
 
 

1 Kommentar

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Rapunzel
12. Dez. 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Dann geht es nicht nur mir so. Danke für deine Hinweise.

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